Frederic Laloux - Sinnstiftende Zusammenarbeit

20160110_154647.jpgIch habe Frederic Laloux gesehen. In Oberursel war' s und es war nicht unerwartet, sondern absichtsvoll. 200 Leute waren außer mir beim Vortrag und 60 mehr hätten es sein können, wenn denn der Raum das getragen hätte. Seit dem Erscheinen des Buches "Reinventing Organizations" 2014, auf deutsch 2015, geht ein Raunen durch die Fachwelt. "Es liegt etwas in der Luft", sagt Laloux, ein "neues Bewusstseinsstadium" wird sichtbar.
Aber eins nach dem anderen:

Als quasi Chronist reiste Laloux durch die Welt, auf der Suche nach Unternehmen, die anders ticken als alle. 12 Beispiele hat er sich schlussendlich herausgepickt, die er akribisch in seinem Buch beschreibt: Aus unterschiedlichen Ländern, unterschiedlichen Branchen und in unterschiedlicher Größe. Aber sie haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind anders, sie verkörpern eine Organisation neuen Typs - eine neue Denkart, eine ähnliche Art des Führens, der inneren Strukturierung, der Art sich wahrzunehmen und sich auszudrücken.

Drei Durchbrüche konstatiert Laloux, jeder für sich scheinbar revolutionär genug:

Selbstführung:
Evolutionäre Organisationen funktionieren ohne Hierarchie (und auch ohne Konsens). Sie haben den Schlüssel gefunden, um die Funktionsweisen von komplexen adaptiven Systemen, wie man sie in der Natur kennt, auf Organisationen zu übertragen.

Ganzheit:
Organisationen waren immer Orte, die Menschen dazu aufforderten, sich mit ihrem vergleichsweise begrenztem "beruflichen" Selbst einzubringen und andere Teile des Selbst zu vernachlässigen. Maskuline Entschlossenheit, Zielstrebigkeit und Stärke regieren, während die emotionalen, intuitiven und spirituellen Aspekte oft nicht willkommen oder sogar fehl am Platz sind.

Evolutionärer Sinn:
Evolutionäre Organisationen können wir so verstehen, dass sie aus sich heraus lebendig sind und eine Richtung entwickeln. Statt die Zukunft vorherzusagen und zu kontrollieren, werden die Mitglieder dieser Organisationen eingeladen, zuzuhören und zu verstehen, was die Organisation werden will und welchem Sinn sie dienen möchte.

Jeder dieser Durchbrüche zeigt sich in einer Reihe konkreter alltäglicher Praktiken, die - manchmal subtil, manchmal radikal - von traditionell akzeptierten Managementmethoden abweichen.

Laloux differenziert: Wenn er von evolutionären Organisationen spricht, meint er nicht, dass alle Mitarbeiter und alle täglichen Interaktionen Ausdruck des integralen, evolutionären Paradigmas sind.

Gut so, das wäre auch wenig sinnvoll. Der neue Weg zeigt sich in vielen Grautönen und Schattierungen und nicht in einer vom Normungsinstitut vorgegebenen Gestalt.

Wir vom Team des "Netzwerk holistisch beraten" hätten jetzt allen Grund, uns gemütlich zurückzulehnen. Die Hype um Laloux bringt noch viel radikaler das auf den Punkt, was wir seit Jahren im Programm führen.

Selbstführung: Ja genau, Open Space Technology ist eine 100.000fach erprobte Form der Selbstführung, oder wie Open Spaceniks sagen - der Selbstorganisation. In Organisationen kombiniert sich das Gesetz der 2 Füße perfekt mit einem kleinen, aber scharfen Set von Givens.

Ganzheit: Ja genau, Ganzheitlichkeit oder holistisch ist eine unserer zentralen Empfehlungen, sei es in der Einbeziehung aller vier Bewusstseinsebenen oder im whole-system-approach.

Evolutionärer Sinn: Ja genau, der Purpose oder Sinn und Zweck ist seit jeher zentrales Kernelement unseres Zuganges. Und das ist ganz was anderes als Ziele oder Strategien oder Visionen. Ein Kernstück unserer beraterischen Tätigkeit.

Wie bestärkt der Befund von Frederic Laloux unseren Zugang?

Die Beispiele an sich: Ihre Vielfalt. Dass es sie gibt. Ihre unterschiedlichen Wege und ihr Erfolg über Jahre hinweg.

Dass er große Dinge gelassen ausspricht, ziemlich unprätenziös. Da ist Null-Eso, nur Businessperspektive, auch wenn es im ersten Augenblick nicht immer so aussehen mag.

Die Glaubwürdigkeit: Sein forschendes Erkenntnisinteresse. Seine Beratervergangenheit hilft bei der Wahrnehmung und Beschreibung, aber da ist kein geschäftliches Verwertungsinteresse. Im Gegenteil, Vorträge werden eingestellt, Beratungen gibt es keine, Guru gibt's nicht.

Offenbar kann man seiner Zeit voraus sein. Gratulation an alle Teilnehmerinnen der bisherigen 5 Durchgänge der Werkstatt für holistische Organisationsentwicklung. Sie haben es früher gewusst oder gespürt, was dran ist. Früher als die 260 Menschen, die jetzt in Oberursel dabei sein wollten.

Wir brauchen die neuen Organisationen dringend: Jetzt!

http://www.reinventingorganizations.com/

https://www.youtube.com/watch?v=TsBjVKJzsKY

 

Außerdem demnächst:

Seminar "Kraftvolle Moderation 1", 21. - 23. April
Genug von Kärtchen und Pinnwänden? Endlich wieder was Neues machen? Mehr Tiefgang erwünscht? World Cafe, Open Space, Appreciative Inquiry, Storytelling und Dynamic Facilitation: aus der Praxis, für die Praxis.

Integrales Projektmanagement: Dragon Dreaming Einführung 19. - 21. Mai
Projekte einfach gelingen lassen: Träumen-Planen-Tun-Feiern

Seminar "Moderation klassisch" von 16. - 18. Juni
Die Werkzeugkiste für Workshops: Methoden, Abläufe, praktische Tipps und Tricks. Alles das, wo man in seinem Leben einfach einmal vorbeigekommen sein muss!

5. Wiener ModCamp am 24. September:
Ein BarCamp als ultimativer Ort für professionellen Austausch auf Augenhöhe.

Gleich den Stift zücken und notieren, vielleicht sicherheitshalber gleich anmelden!

id=63179f6a4e&e=ad08df6269" target="_blank" style="word-wrap: break-word;-ms-text-size-adjust: 100%;-webkit-text-size-adjust: 100%;color: #6DC6DD;font-weight: normal;text-decoration: underline;">Alle Termine der Moderationswerkstatt